Nationalpark Valgrande


              
Westlich des Lago Maggiore liegt eines der abgelegensten Täler Europas: das Valgrande. Es ist Zentrum des Nationalpark Valgrande, eines der kleineren Nationalparks Italiens , aber des größten Wildnisgebietes Südeuropas. Es handelt sich um eine rauhe Landschaft von schroffen Bergketten, die durch zahlreiche Täler zerfurcht werden.

Das Gebiet des Valgrande war nicht immer Wildnis. Bergbauern nutzten die Täler Jahrhunderte lang. Zudem haben die Intensivierung des Holzeinschlags seit Beginn des 20. Jahrhunderts, die Nutzung des Flüsse zur Elektrizitätsgewinnung und Telegrafenverbindungen tiefe Spuren in der Landschaft hinterlassen. Aber es wurde nie eine Straße durch die abgelegenen Täler gebaut. Lediglich die Dörfer Colloro und Cicogna - beide am Rande des Nationalparks gelegen - sind als einzige Siedlungen über eine Straße erreichbar.

Nach dem 2. Weltkrieg verließen innerhalb weniger Jahre fast alle Bergbauern das Gebiet des Valgrande und in den 50er Jahren wurde der Holzeinschlag endgültig beendet. Die Natur erhielt wieder eine Chance und erobert sich seit nunmehr 50 Jahren Stück für Stück zurück, was durch den Menschen verändert oder zerstört worden ist. In diesem Sinne erlebt das Valgrande die Rückkehr der Wildnis und wird deswegen auch „Ultimo Paradiso“ genannt.

Geographisch gehört das Valgrande zu den Voralpen. Die Berge überschreiten gerade die 2000 Meter und der Gipfel des Monte Togano ist mit seinen 2301 m der höchste Punkt des Gebietes. Die tiefer gelegenen Teile des Nationalparks sind zum großen Teil bewaldet. Unter 900 Meter herrschen Kastanien vor, in höheren Lagen wachsen vor allem Buchen und Nadelbäume. Birkenbestände an den Hängen zum Monte Faie und in der Umgebung der Alpe Lut beeindrucken im Herbst durch leuchtendes Gelb. Im Park sind Rehe, Dachse, Füchse und in höheren Lagen Gemsen und Murmeltiere zu Hause. Häufig sind Adler und Falken zu sehen. Unter den Reptilien ist die giftige Apsisviper erwähnenswert. Sie kommt in großer Zahl vor, ist aber sehr scheu und weit weniger gefährlich als ihr Ruf.

An vielen Stellen des Valgrande findet man die Reste der verlassen Steinhäuser der Bergbauern und Holzfäller. In der Siedlung Pogallo gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schule, Polizei, ein Gefängnis, eine Sanitätsstation, Geschäfte und sogar eine Fabrik. Heute ist auch Pogallo verlassen und. Dabei reichen die Zeugnisse der menschlichen Besiedlung weit zurück. Die Einritzungen auf einem Felsen bei der Alpe Pra stammen vermutlich aus prähistorischer Zeit. Weiterhin sehenswert ist die Renaissancekirche „Chiesetta campestre dell’Annunciazione“ bei der Alpe Lut oberhalb von Coloro. Zeugnisse von Tod und Zerstörung hat vor allem der 2. Weltkrieg hinterlassen. Das abgeschiedene Valgrande diente antifaschistischen Partisanen als Rückzugsgebiet. Die Berghütten auf dem Pian Cavalone und der Bochetta di Campo wurden durch deutsche Fliegerangriffe zerstört. Eine Gedenktafel in Pogallo erinnert an die Erschießung von 17 Partisanen im Juni 1944.

Bereits im Jahre 1967 wurden ungefähr 1000 Hektar als „Riserva Naturale Integrale della Val Grande“ unter völligen Naturschutz gestellt und dürfen auch heute nur zu wissenschaftlichen Zwecken betreten werden. Der Nationalpark Valgrande umfasst etwa 15000 Hektar und wurde im Jahre 1993 schon bald nach seiner Aufnahme in die Liste der durch Gesetz vorgesehenen Nationalparks eingerichtet. Es ist eine Aufgabe der Nationalparkverwaltung, dem Besucher durch geeignete Maßnahmen einen Einblick in die Natur des Gebietes zu geben ohne seinen Charakter als „Wilderness“ Europas zu gefährden.

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